Montag, 1. Mai 2017

Auf den Spuren der magischen 11 und der grünen Fee...

Oft schreibe ich davon, dass ich in meiner Zeit in Florenz Blut geleckt habe, was das Reisen anbelangt. Ich bin zwar sehr gerne Zuhause – gleichzeitig zieht es mich aber auch immer wieder in die Ferne. Da kommt es mir sehr gelegen, dass mich meine Tätigkeit als Journalistin, die ich von Herzen liebe, mich an viele schöne Orte bringt. Der Signore reist für seine Arbeit auch oft, dabei sieht er aber in der Regel einfach den Flughafen und das Kongresszentrum der jeweiligen Destination. Ich dagegen werde herumgeführt, wunderbar verpflegt und erlebe schöne Dinge, die ich dann wiederum mit Euch teilen darf. So erging es mir auch in der vergangenen Woche. Während der Signore in Budapest an einem Kongress festsass, genoss ich das Drei-Seen-Land rund um den Bieler- und den Neuenburgersee (an den Murtensee hat es dann leider nicht noch gereicht). Angefangen hat unser Ausflug aber in Solothurn. Denn dort fliesst die Aare vorbei, bevor sie dann ihren Weg in den Bielersee und somit ins Drei-Seen-Land findet.
Obwohl Solothurn ein Nachbarskanton vom Kanton Bern ist, wird es von vielen Bernern oft etwas aussenvor gelassen. Schade eigentlich. Denn Solothurn ist eine wahre Trouvaille, sehr herrschaftlich und geschichtsträchtig und somit der perfekte Ort für mich.

Der Stadtgrünungsmythos geht gleich wie bei Zürich auf Mitglieder der 11. Thebäischen Legion zurück. Urs, Victor und Verena heissen die Solothurner Stadtheiligen. Während die zwei Männer aufgrund ihres christlichen Glaubens von den Römern enthauptet wurden, überlebte Verena zu ihrem Leidwesen (sie wäre auch gerne als Märtyrerin gestorben) und zog sich als Einsiedlerin oberhalb von Solothurn in die Verena-Schlucht zurück, wo sie Kindern biblische Geschichten erzählte. Die Kathedrale von Solothurn heisst zu Ehren dieser Heiligen St. Ursenkathedrale. An dieser Kathedrale sind übrigens auch die Zürcher Stadtheiligen Felix und Regula verewigt, die ebenfalls als Mitglieder der Thebäischen Legion enthauptet wurden.

Die Zahl 11 spielt in Solothurn wegen der Geschichte mit der 11. Thebäischen Legion eine wichtige Rolle. In vielen Gebäuden wurde sie als Stilmittel eingesetzt. So führen drei Mal elf Treppenstufen zum Eingang der Kathedrale und in deren Innern finden sich drei Altare. Ganz allgemein wurde Solothurn architektonisch vom barocken Baustil geprägt und gilt daher auch als „schönste Barockstadt der Schweiz“. Bekannt ist Solothurn aber auch als "Ambassadorenstadt", da dort vom 16. bis zum 18. Jahrhundert der Sitz der französischen Botschaft war. 

Interessanterweise arbeitet der einzige richtige Stadtsolothurner, den ich kenne, auch in den Diplomatischen Diensten. Offenbar scheint dort ein guter Boden für Botschafter und Abgesandte zu sein.
Geschichtsträchtig und geistvoll (im wahrsten Sinne des Wortes;) endete unsere Stadtführung in der „Grünen Fee“, der ersten und einzigen Absinth-Bar der Schweiz, deren Gründer von sich selber sagt, dass er als kleines Kind in ein Fass voller Absinth gefallen sei;)

Absinth ist ein Wermutgetränk, dessen Alkoholgehalt zwischen 45 und 85 Volumenprozent liegt. Der Absinth erlangte nicht nur wegen seiner Hochprozentigkeit  grosse Berühmtheit, sondern auch wegen der vielen Legenden, die sich um seine Wirkung ranken. Man sagt, dass einem die grüne Fee erscheine, wenn man zu viel Absinth getrunken habe. 

Im ätherischen Öl der Wermutpflanze, die zur Herstellung von Absinth verwendet wird, lassen sich tatsächlich auch Thujon-Ketone nachweisen, die unter anderem zu Halluzinationen führen sollen. Aus diesem Grund wurde das Herstellen und Konsumieren von Absinth 1910 in der Schweiz verboten. Heimlich wurde das Getränk aber weiter gebrannt, bis das Verbot 1999 wieder gestrichen und der Anteil der Thujon-Menge gesetzlich geregelt wurde. Letztere ist nun so gering, dass der Absinth ohne Bedenken genossen werden kann.

Ich muss gestehen, dass ich nicht der grösste Anis-Fan bin und genau nach dem schmeckt Absinth. Bei mir besteht also keine Gefahr, dass ich da zu tief ins Glas schaue. Ich finde aber das Zeremoniell rund um den Konsum ganz faszinierend. Denn Absinth wird verdünnt getrunken und so bekommt man eine sogenannte Absinth-Fontäne mit Eiswasser serviert und lässt das Wasser ins Glas laufen, in dem sich bereits eine kleine Menge Absinth befindet. Die klare Flüssigkeit verfärbt sich milchig, sobald sie mit dem Eiswasser vermischt wird. Dieser Vorgang nennt sich übrigens „opalisieren“. Vielleicht ist eben beim Absinth doch etwas Magie im Spiel...

Mir hat der Ausflug nach Solothurn jedenfalls sehr gefallen und ich will so bald wie möglich wieder dahinfahren und mir die Stadt nochmals ganz in Ruhe ansehen und vielleicht auch etwas shoppen – denn das kann man in Solothurn auch ganz wunderbar!

Ich hoffe, dass Euch meine kleine Stadtführung gefallen hat und wünsche Euch einen guten Start in die neue Woche!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

P.S. Unter http://www.solothurn-city.ch/de/ findet Ihr weitere Infos über die Sehenswürdigkeiten der Stadt und  unter http://diegruenefee.ch findet Ihr die Angebote und Öffnungszeiten der ersten Absinthe-Bar der Schweiz.

1 Kommentar:

  1. Vielen Dank! Wunderbar beschrieben, aber SO hat noch vieeel mehr zu bieten. Der samstägliche Wochenmarkt, muss man erlebt haben. Mittagessen in einer der vielen 'Beizen'. Wie oben gesagt und noch viel mehr, ein Besuch genügt nicht. Kunstmuseum nicht vergessen. Ueberigens die St.Ursenkathedrale hat 11 Altäre und von einem gewissen Standort aus sind alle 11 zu sehen. Elf Brunnen, elf Kirchen, elf Glocken im St.Ursenturm, Oefibier usw. Ach, und der Berg, ebenfalls ein Muss (für auswärtige Weissenstein). Grazie mille e cari saluti sig.ra Pinella. Ein Heimwehsolothurner aus dem Ticino.

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